Wie­gen­lie­der

Liederbuch inkl. Mitsing-CD/ Klavierband/CD-Sammlung Vol. 1/CD-Sammlung Vol. 2

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Carus/Reclam, Stuttgart 2009
erschienen in: üben & musizieren 3/2010 , Seite 61

Manch­mal bekommt man als Rezen­sent eine Publi­ka­ti­on auf den Tisch und ist schlicht über­wäl­tigt. Im vor­lie­gen­den Fall sind es die Opu­lenz der Auf­ma­chung, die Viel­falt des musi­ka­li­schen Ange­bots und die beein­dru­cken­de Zahl von Unter­stüt­zern des Pro­jekts, das über den Ver­ein „Her­zens­sa­che e. V.“ das Sin­gen mit Kin­dern för­dern will, die ­einen stau­nen und zunächst sprach­los machen.
Der Sän­ger Cor­ne­li­us Haupt­mann hat­te die Idee zu die­sem Wie­gen­lie­der-Pro­jekt, das er mit dem SWR, den Ver­la­gen Carus und Reclam und vie­len pro­mi­nen­ten Ver­tre­te­rIn­nen aus Hoch­schu­len und Ver­bän­den, 52 füh­ren­den Sän­ge­rin­nen und Sän­gern sowie unter der Schirm­herr­schaft von Bun­des­kanz­le­rin  Ange­la Mer­kel ver­wirk­li­chen konn­te. In der Rekord­zeit von nur wenig mehr als sechs Mona­ten gelang es Haupt­mann, ein „Medi­en­pa­ket“ aus Lie­der­buch mit einer Mit­sing-CD, Kla­vier­band und inzwi­schen zwei CDs mit 58 Lie­dern zusam­men­zu­stel­len, das sei­nes­glei­chen sucht.
Ange­trie­ben von dem Gedan­ken, etwas für das Sin­gen mit Kin­dern zu tun und zugleich erhal­tens­wer­tes Kul­tur­gut vor dem Ver­ges­sen zu bewah­ren, in wel­ches es zu stür­zen droht, weil unse­re rasant sich ver­än­dern­de Welt für das Sin­gen im Kindes­alter immer weni­ger Raum und Gele­gen­heit bie­tet, bewie­sen die Initia­to­ren, zu wel­cher Leis­tung alle Betei­lig­ten fähig sind, wenn ein schlüs­si­ges Kon­zept, eine tra­gen­de Idee und wah­re Begeis­te­rung für die Sache alle mitreißen.
Her­aus­ge­kom­men ist ein trotz der kur­zen Zeit der Vor­be­rei­tung vor­bild­lich edi­tier­tes Lie­der­buch mit 42 Volks- und Kunst­lie­dern ver­schie­de­ner Epo­chen, haupt­säch­lich aus dem 18. und 19. Jahr­hun­dert, ergänzt um eine Mit­sing-CD, ein­fühl­sam ein­ge­spielt von Chris­ti­ne Busch (Vio­li­ne, Melo­die­stim­me) und Julia­ne Ruf (Kla­vier), die ihren Zweck her­vor­ra­gend erfüllt. Der dazu­ge­hö­ri­ge Kla­vier­band erlaubt nicht nur das eige­ne Musi­zie­ren – am bes­ten sicher­lich für und mit Kin­dern –, son­dern auch das Stu­di­um der Aus­prä­gung des Wie­gen­lie­der-Gen­res bei ver­schie­de­nen Kom­po­nis­ten wie Brahms, Reger oder Rei­ne­cke. Hin­zu tre­ten eini­ge neue Sät­ze zu Volksliedern.
Die Ein­spie­lun­gen auf den CDs sind ein wah­rer Ohren­schmaus, jede Inter­pre­tin und jeder Inter­pret scheint hier ihr bzw. sein Bes­tes gege­ben zu haben. Jedes Lied wird durch die individuel­le Fär­bung der Stim­me (Peter Schrei­er, Kurt Moll, Ange­li­ka Kirch­schla­ger und vie­le ande­re mehr) zu einem Klein­od, wobei doch stets der Cha­rak­ter und Ges­tus des besänf­ti­gen­den Wie­gen­lieds gewahrt bleibt.
Wenn es des­sen denn über­haupt noch bedarf, so wird dem Nut­zer die Bedeu­tung des Wie­gen­lieds für die Ent­wick­lung eines Kin­des als Ver­mitt­ler eines Gefühls von Gebor­gen­heit noch ein­mal in einem Nach­wort des Medi­zi­ners Chris­toph Büh­rer von der Ber­li­ner Cha­ri­té ein­drück­lich vor Augen geführt.
Alle Tei­le der Ver­öf­fent­li­chung, vom Lie­der­buch bis zum Book­let der CD, wer­den von den Wer­ken des Malers Frank Wal­ka, ver­kür­zend als Radie­run­gen auf einem Ölfar­ben­grund zu bezeich­nen, ­illus­triert und sind ein wesent­liches Ele­ment der ein­gangs erwähn­ten Opu­lenz des Ganzen.
Das Bild einer außer­ge­wöhn­li­chen Publi­ka­ti­on wird durch die sorg­fäl­ti­ge Redak­ti­on, das her­vor­ra­gend kla­re Noten­bild und durch den Gebrauch wesent­lich erleich­tern­de Ver­zeich­nis­se sowie vie­le Infor­ma­tio­nen zu den betei­lig­ten AutorIn­nen und Inter­pre­tIn­nen abge­run­det. Erfreu­lich auch der fai­re Preis der ein­zel­nen Tei­le, die das Werk für jeden erschwing­lich machen.
Mit die­ser Ver­öf­fent­li­chung liegt ein wun­der­schö­nes Werk vor, das sowohl Musi­ke­rIn­nen als auch den Kin­dern, denen es gewid­met ist, viel Freu­de und wert­vol­le musi­ka­li­sche Erleb­nis­se be­scheren kann. Mögen vie­le Men­schen es erwer­ben, anschau­en, anhö­ren und vor allem mit Kin­dern singen.
Wolf­gang Koperski