Pieper, Daniela

Wikin­ger Concertino

für Viola und Klavier in der ersten Lage

Rubrik: Noten
Verlag/Label: edition 49, Karlsruhe 2014
erschienen in: üben & musizieren 4/2015 , Seite 57

Um das Wich­tigs­te vor­weg­zu­neh­men: Mit „ech­ten“ Wikin­gern hat die­ses hüb­sche Con­cer­ti­no für Anfän­ge­rIn­nen so viel zu tun wie der Sound­track zu Gla­dia­tor mit dem Alten Rom; Titel und Auf­ma­chung span­nen einen ledig­lich asso­zia­ti­ven Rah­men, der der Musik eine inhalt­li­che Rich­tung ver­lei­hen soll, die sie von selbst gar nicht hat. Auf dem Titel prangt die Kin­der­zeich­nung eines zäh­ne­flet­schen­den Kämp­fers mit Schwert und wil­dem Helm (Dra­chen­boot inklu­si­ve), und die drei Sät­ze tra­gen unver­bind­li­che pro­gram­ma­ti­sche Über­schriften: „Erik, der klei­ne Wikin­ger“ (wie anders könn­te der auch hei­ßen?), „Ein­sam­keit – Runen­tanz“ und „Auf Raub­zug“. Inhalt­lich bleibt das jedoch vage: Es gibt weder erkenn­ba­re „wikin­ge­ri­sche“ Ele­men­te noch die Andeu­tung einer Geschichte…
Wer sich an der­lei Äußer­lich­kei­ten nicht stört, fin­det hier jedoch ein lie­be­voll und geschickt gemach­tes Vor­trags­stück für das ers­te oder zwei­te Lehr­jahr, das mit sehr beschränk­ten Mit­teln eben­so effek­tiv wie effekt­voll ­arbei­tet. Der Solo-Part bewegt sich kon­se­quent in der ers­ten Lage, deckt dabei aber eine äußerst abwechs­lungs­rei­che Palet­te von Aus­drucks­for­men und Spiel­tech­ni­ken ab: Die simp­len, ein­gän­gi­gen Melo­dien erschei­nen mal im tie­fen, mal im hohen Regis­ter, es gibt kan­ta­ble Lega­to- und rhyth­mi­sche Spic­ca­to-Pas­sa­gen, eine genau abge­stuf­te Dyna­mik, Piz­z­i­ka­ti (auch à la Bar­tók) und sogar ein paar Arpeg­gi­en und Doppelgriffe.
Die Ton­ar­ten wan­dern von F‑Dur über g‑Moll nach a‑Moll, und selbst ein leicht exo­ti­sches f‑Moll wird gestreift, ohne dass es jemals schwer oder unüber­sicht­lich wür­de. Das Gan­ze bleibt ­immer spie­le­risch und macht durch­ge­hend Spaß. Glei­ches gilt auch für den Kla­vier­part, der eben­falls bewusst leicht gehal­ten ist, sodass sich das Stück beson­ders zum Zusam­men­spiel eig­net (und auch die hauptamt­liche Vio­la-Lehr­kraft nicht vor unlös­ba­re Auf­ga­ben stellt).
Die Edi­ti­on ist im Druck­bild her­vor­ra­gend und satz­tech­nisch ohne erkenn­ba­re Feh­ler. Par­ti­tur und Solo-Stim­me ent­spre­chen ein­an­der bis ins Detail. Ein biss­chen gewöh­nungs­be­dürf­tig ist die Tat­sa­che, dass der aller­ers­te Auf­takt zu Beginn bereits als Takt 1 gezählt wird, was beim gemein­sa­men Arbei­ten zunächst für Ver­wir­rung sor­gen kann.
Ein­zi­ges wirk­li­ches Man­ko bleibt dage­gen die Auf­tei­lung der (vier­sei­ti­gen) Solo-Stim­me: Obwohl der drit­te Satz als ein­zi­ger zwei Sei­ten braucht, ist er nicht etwa auf eine der bei­den Dop­pel­sei­ten gedruckt, son­dern umsei­tig auf die Sei­ten 3 und 4, wes­halb man mit­ten im Stück blät­tern müss­te (was aber lei­der unmög­lich ist). Eine zusätz­li­che Kopie ist hier also unum­gäng­lich – ange­sichts der Vehe­menz, mit der die Ver­la­ge mit­un­ter die Unge­setz­lich­keit jeg­li­cher kopier­ter Noten pro­kla­mie­ren, ein eher ver­wun­der­li­cher Umstand.
Joa­chim Schwarz