Busch, Barbara / Sebastian Herbst (Hg.)

Zukunft Musikhochschule!?

Impulse für Lehre, Forschung und Organisationsentwicklung

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Schott, Mainz 2026
erschienen in: üben & musizieren 4/2026 , Seite 60

„Haben Musikhochschulen eine Zukunft?“ Die Antworten speisen sich aus den Beiträgen des Symposiums „Fit für die Zukunft? Entwicklung von Musik(hoch)­schulen im 21. Jahrhundert aus künstlerischer und musikpädagogischer Perspektive“, das im Mai 2024 an der UdK Berlin stattgefunden hat.
Die Beiträge sind in sechs größere Abschnitte gegliedert. Zunächst wird unter „Hintergründe“ (Teil 1) die historisch gewachsene Verankerung der Musikhochschulen in der Gesellschaft beleuchtet. Es folgt eine „Bestandsaufnahme“ (Teil 2) zentraler Spannungsfelder, die sich in der alltäglichen Hochschularbeit zwischen verschiedenen Tätigkeitsbereichen ergeben. Daran schließen sich „Leitideen“ (Teil 3) zur Weiterentwicklung der Hochschulen sowie „Zukunftsperspektiven“ (Teil 4) an, die unterschiedliche Fächer und Disziplinen sowie Möglichkeiten fächerübergreifenden Arbeitens in den Blick nehmen. Der Band schließt mit „Neue Wege in der Lehre“ (Teil 5) – hier wird die Hochschullehre als zentraler Innovationsmotor verstanden – und schließlich einem „Psychologischen Ausblick“ (Teil 6). Dieser geht der Frage nach, wie notwendige Veränderungsprozesse für alle Beteiligten in positiver Weise gelingen können.
Eine Stärke des Buchs ist, dass Themenbereiche aufgegriffen werden, die in musikpädagogischen Publikationen eher selten zur Sprache kommen. Beispielhaft sei auf den Beitrag „Förderung von Effizienz und Innova­tion“ von Astrid Krummenauer-Grasser verwiesen. Die Autorin fragt, „wie Selbstbestimmung an Musikhochschulen Effizienz und Innovationen fördern kann“, und richtet dabei den Fokus auf die Rolle der Verwaltung. Diese unterscheide sich von anderen Hochschulen und Institutionen und bringe „besondere Herausforderungen“ mit sich, z. B. „die Beschaffung eines Spezialgeräts zur Schleifung des Oboenblattes“ und vieles andere mehr.
Interessant ist die knappe Betrachtung der Musikhochschulverwaltung aus systemtheoretischer Perspektive: So lasse sich etwa die Erarbeitung einer neuen Prüfungsordnung als Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen Lehrenden, die den inhaltlichen Input liefern, und der Verwaltung, die die Umsetzbarkeit prüft, verstehen. Beide Bereiche seien als unterschied­liche Systeme zu begreifen, deren Zusammenarbeit mitunter zu „Irritationen“führen könne. Im besten Fall entfalteten solche Irritationen eine produktive, innovative Wirkung.
Insgesamt umfasst der Sammelband 33 Beiträge von 43 AutorInnen – eine beachtliche Anzahl. Mit einer Ausnahme sind die Texte vergleichsweise kurz gehalten (sechs bis zehn Seiten). Dadurch entsteht ein informativer und zugleich gut zugänglicher Überblick, der vielfältige Perspektiven auf die Ins­titution Musikhochschule in kompakter Form präsentiert.
Matthias Goebel

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