Harada, Moto

Zwölf Traum­ge­schich­ten

für Klavier

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Olms, Hildesheim 2015
erschienen in: üben & musizieren 1/2016 , Seite 56

Der Japa­ner Moto Hara­da ist Kla­vier­leh­rer an der Uni­ver­si­tät Hil­des­heim und kon­zer­tie­ren­der Pia­nist. Er stu­dier­te in Tokio und War­schau und been­de­te sei­ne Aus­bil­dung in Han­no­ver als Stu­dent von Karl-Heinz Käm­mer­ling mit dem Kon­zert­ex­amen. Sei­ne Freu­de am Kom­po­nie­ren ent­deck­te er 2009 bei einem Auf­ent­halt auf den Gala­pa­gos-Inseln, deren rei­che Tier­welt ihn zu einem Kla­vier­zy­klus inspi­rier­te. Seit­dem ent­stan­den eini­ge Lie­der und zuletzt die Zwölf Traum­ge­schich­ten für Kla­vier. Die­se wur­den für den Unter­richt kom­po­niert, wobei Hara­da sowohl an sei­ne Stu­die­ren­den an der Uni­ver­si­tät als auch an jün­ge­re Spie­le­rIn­nen denkt. Die leich­tes­ten der kur­zen Cha­rak­ter­stü­cke kön­nen bereits im zwei­ten Unter­richtsjahr bewäl­tigt wer­den, die schwie­rigs­ten etwa im sechs­ten Jahr.
Die Musik ist tonal, gele­gent­lich mit dis­so­nan­ten Zuspit­zun­gen. Sept­ak­kor­de wer­den als Kon­so­nan­zen behan­delt, was den Stü­cken einen leicht jaz­zi­gen Sound ver­leiht. In vie­len Stü­cken sind par­al­lel ver­scho­be­ne Akkor­de stil­bil­dend, oft ver­bun­den mit osti­na­ten Begleit­fi­gu­ren. Die Kadenz­har­mo­nik tritt dem­ge­gen­über in den Hin­ter­grund. Resul­tat ist eine ange­nehm zu hö­rende, wenn auch etwas span­nungs­ar­me Musik, die vie­len jugend­li­chen Spie­le­rIn­nen gut gefal­len dürf­te.
Die ruhi­gen Stü­cke sind oft mit Natur­stim­mun­gen asso­zi­iert (Das Meer, Der Wind, Ster­nen­licht), wäh­rend die leb­haf­ten Titel bild­haf­te Sze­nen evo­zie­ren (Was­ser­ball, In Eile). Die Stü­cke sind gut durch­ge­formt sowie dyna­misch und arti­ku­la­to­risch genau bezeich­net. Durch­weg gelingt es dem Kom­po­nis­ten, kla­re pia­nis­ti­sche Auf­ga­ben­stel­lun­gen in einer musi­ka­lisch anspre­chen­den Form zu prä­sen­tie­ren. In den ruhi­gen Stü­cken geht es haupt­säch­lich um eine schö­ne Ton­ge­bung und um dyna­mi­sche Dif­fe­ren­zie­rung der Stim­men. Was­ser­ball ist eine Etü­de für sprin­gen­de Drei­klän­ge und Okta­ven mit alter­nie­ren­den Hän­den. Blu­men­gar­ten im Stil eines Muset­te-Wal­zers bringt flin­ke Figu­ra­tio­nen der rech­ten Hand. Im Marsch muss die rech­te Hand unter der ruhi­gen Melo­die eine unun­ter­bro­che­ne Ket­te repe­tie­ren­der Sech­zehn­tel bewäl­ti­gen. Das abschlie­ßen­de Stück Auf­wa­chen stellt ver­track­te rhyth­mi­sche Auf­ga­ben.
Das Heft ist auf­wen­dig aus­ge­stat­tet mit zwölf ganz­sei­ti­gen Gra­fi­ken des Künst­lers Moritz Göt­ze. Es sind kei­ne Illus­tra­tio­nen zu den Stü­cken, son­dern eigen­stän­di­ge Bil­der, die in ihrem teils sur­rea­len, teils nai­ven Cha­rak­ter ledig­lich durch die Asso­zia­ti­on des Träu­me­ri­schen lose mit den Kom­po­si­tio­nen ver­bun­den sind. Die schö­ne Aus­stat­tung trägt frei­lich zum recht hohen Preis des Hefts bei.
Sig­rid Nau­mann